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Inhaltsverzeichnis
1. Kapitel (Auszug)
4. Kapitel (Auszug)
5. Kapitel (Auszug)
Geschichte vom WINNETOU-
Puzzle-
Felsen-
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© 2007 Jo Müller

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4. Kapitel (Auszug)

Wenn auch der Sinn nicht den Sinn erkennt,
sind die Wahrheiten,
gefühlt,
doch ohne Zweifel


In den kommenden Tagen versuchte ich krampfhaft, Sinn in die entschlüsselten
Worte zu bringen. Aber egal welche Assoziationskette ich auch zusammensetze,
es ergab sich kein realer Zusammenhang. Es konnte irgendwie alles und nichts
bedeuten.
Das Nichts kann man nur kennen, wenn man auch ein „mehr als nichts" kennt.
Dann ist es aber auch kein Nichts mehr. Wenn es in der Welt nur Frieden gäbe,
würde man ihn gar nicht schätzen. Kein Stern ohne die Nacht. Aber unser
Verstand sagt uns, dass es immer wieder Morgen wird, warum lassen wir uns
immer wieder auf die Nacht ein? Vielleicht können wir es lernen, ohne es zu
verstehen.
Aber diese Worte vom Puzzle waren mit Sicherheit nicht zufällig gewählt.
Oder gerade doch.
Dann würde vielleicht der Zufall helfen.

Eines Tages war ich in einer speziellen Buchhandlung für alte Buchausgaben. Für
einen Bekannten suchte ich einen speziellen Gedichtband, den ich auch relativ
schnell fand. Durch Zufall sah ich in einem relativ verstecktem Regal eine
Reproduktion des WINNETOU Buches. Dieses Buch war ein Reprint der
Originalausgabe von 1893. In diesem Reprint waren die Buchstaben auch in der
altdeutschen Art und Weise abgedruckt, wie ich sie auf dem Puzzle gesehen
hatte. Die Schrift war relativ schwer zu lesen.
Ich las nur die Einleitung. Auf der fünften Seite stand als dreiunddreißigstes Wort:
„assimilieren".
Das Wort war auch ein Wort der Buchstabensequenzen vom Puzzle, fiel mir auf.
Aber war das auch nur Zufall?
Nein, wie sich bald herausstellte. Um zu überprüfen, ob auch die anderen Wörter
vom Puzzle in dem Buch vorkamen, schaute ich schnell im Online-Netz am
Computer nach einer digitalen Buchversion. Und tatsächlich.
Alle Wörter, die ich vom Puzzle extrahiert hatte, kamen im WINNETOU Buch vor.
Und zu meiner Überraschung.
Genau einmal.
Jedes Wort war eindeutig mit genau einer Seite verknüpft. Das konnte kein Zufall
sein. Die Seitenzahlen der verknüpften Worte lauteten in gleicher Reihenfolge wie
auf dem Puzzle:

assimilieren 5

Theodolit 15

Religiöse Dinge 54

Trapper 76

Menschenverstand 90

Urzeit 99

Sorge 127

Denkübungen 140

San Franzisco 141

Reisen 152

Phantasie 168

Wilden Westen 171

Trophäen 174

Panoptikum 246

Sioux 256

Avat-ya 283

Raubvogel 343

Spieles 402

Stimme des Herzens 450


Was konnten diese Zahlen bedeuten?

Plötzlich fiel mir gleichsam ein Schleier von meinen nach Sinn suchenden
Gedanken und dieser Geistesblitz enthüllte eine Erinnerung.
Als junge Jugendliche hatten wir uns, nach Behandlung von Kryptographie-
Themen im Mathematikunterricht, eine geheime Verschlüsselung „just for fun"
ausgedacht.
Unsere Verschlüsselung war folgende:
Wir ordneten allen Buchstaben eines Alphabetes, Zahlen zu. Dieses Alphabet
bestand aus Groß- und Kleinbuchstaben sowie weiteren Sonderzeichen. Die
Zuordnung erfolgte aber nicht in geordneter Reihenfolge. Also nicht A = 1, a = 2
oder in ähnlicher Weise. Vielmehr waren alle Buchstaben und Zeichen
bestimmten Positionen, also Zahlen auf einem geheimen Schlüssel zugeordnet.
Im Prinzip glich der Schlüssel einem großen Blatt mit kariertem Papier, auf dem in
manchen Kästchen Buchstaben und Zeichen standen, Die Position jedes
Kästchens war durch eine Zahl gekennzeichnet. Der Schlüssel enthielt auch
Leerpositionen, also Zahlen, denen kein Zeichen zugeordnet war bzw. Positionen,
auf denen kein Zeichen stand. Für die Ver- und Entschlüsselung hatten wir als
Übung ein kleines Computerprogramm geschrieben. Dann gab es auf dem
Schlüssel noch Positionen, denen auch kein Buchstabe zugeordnet war, dafür
aber eine gesonderte Zahl. Diese Zahl „verschob" sozusagen allen Positionen des
Schlüssels um diese gesonderte Zahl. Dadurch war innerhalb einer Nachricht
oder Botschaft nicht jederzeit einem Buchstaben die gleiche Zahl zugeordnet.
Mit dieser kleinen Verschlüsselung schrieben wir uns dann Nachrichten, die
andere nicht ohne Weiteres lesen konnten.

Wenn man so will ist ja Vieles in unserer Welt verschlüsselt. Vieles erkennt man
erst, wenn man den Schlüssel zum Eigentlichen gefunden oder sich angeeignet
hat.
Aber versteht man Texte, wenn man lesen gelernt hat und alle Buchstaben
kennt?
Fühlt man eine Melodie, wenn man alle Noten kennt und lesen kann?
Alles was wir denken und fühlen, ist wohl ein subjektives Abbild der objektiven
Welt. Ein Bild gemalt von unserem Verstand, Gehirn. Und nur es selbst hat
wahrscheinlich das „Original" vor sich. Wir müssen uns mit einer „abgebildeten
Kopie" zufrieden geben.

Aber jetzt lag gleich eine Kopie dieser Kopie in Form der Zahlen aus dem
WINNETOU Buch vor mir.
Und der Schlüssel?
Ganz klar. Der Schlüssel musste auch das Puzzle sein, nämlich die Teile, auf
denen nur ein Zeichen stand. Und die Positionen, die Zahl der oder des
zugeordneten Zeichen, ergab sich hier vereinfachend durch die Position jedes
einzelnen Puzzleteils von oben links nach rechts unten durchnumeriert. Es waren
aber auch Puzzleteile mit größeren Zahlen anstelle von Buchstaben darauf. Diese
mussten für die „Positionsverschiebungen" stehen.
Das Puzzle barg also sowohl die „Nachricht", wie auch den Schlüssel in sich, so
wie auch manche Erfahrungen im Leben der Schlüssel für weitere, tiefere
Erfahrungen sind.
Mit etwas Mühe entzifferte ich alle Zeichen, die außer den Buchstabensequenzen
noch auf dem Puzzle standen und ordnete ihnen die entsprechende Position wie
auf dem Puzzle zu.
Ein kleines Computerprogramm für die Decodierung war schnell geschrieben.
Hier pflegte ich die vorhandenen Informationen und Daten ein, also die
Buchstaben mit den Positionen von den Puzzleteilen. Ebenso die eigentliche
„Botschaft" bestehend aus den Seitenzahlen vom WINNETOU Buch.
Einige Augenblicke später gab der Code des Computerprogramms die Lösung
preis. Gierig schaute ich auf die entschlüsselte Botschaft:

@winnetou_{X}

Das war ohne Frage eine Adresse für ein spezielles Online Nachrichten
Programm. Diesen Nachrichtendienst gab es schon seit vielen Jahrzehnten.
Diese Adresse musste mein Freund auch schon vor vielen Jahren, kurz vor
unserer Trennung eingerichtet haben.
Ich suchte sogleich nach dem entsprechenden Online Portal und richtete auch mir
einen entsprechenden Account , also ein Benutzerkonto, dort ein.
Danach schrieb ich eine nur ganz kurze Nachricht an obige Adresse.

Plötzlich ging alles Schlag auf Schlag. Manchmal lebt man ja eine Weile vor sich
hin, der Lebensfluss plätschert vor sich hin. Der Alltag bestimmt den Lebensinhalt.
Man fühlt sich wie ferngesteuert. Es kommt einem vor, als gehe das Leben an
einem vorbei. Nicht weil man nichts erleben würde oder nicht auch schöne
Erlebnisse und Erfahrungen gehabt hätte. Aber ich denke es gibt immer ein Ziel,
eine Art Wahrheit, einen tiefgreifenden Sinn, den man in seinem Leben ahnt und
dem man sich manchmal näher, manchmal entfernter fühlt.
Doch jetzt fühlte ich es wieder: Ich lebe und das Tor zur Wahrheit ist meiner
Ahnung näher gekommen. Der Lebensfluss wurde wieder lebendiger.

Nach ein paar Stunden schrieb mein Freund zurück. Er hatte sich damals die
Sache mit dem Puzzle nur ausgedacht, um zu sehen, wie lange es wohl dauern
würde, bis wir wieder gegenseitig von uns hören würden. Das Rätsel mit dem
Code war also eher „just for fun". Ebenso jenes mit dem Gesicht von WINNETOU.
Er hatte keinen tieferen Sinn dabei verspürt. Ich schon.
Mein Freund arbeitete jetzt schon viele Jahre als selbstständiger Projektberater
und Manager in Amerika. Er hatte etliche größere Projekte mit konzipiert und
umgesetzt. Er sei viel herumgekommen. Auch in den USA hatte er einen eigenen
Wohnsitz.
Ich sagte ihm, ich könne ihn mal besuchen kommen. Meine Familie und ich hatten
seit geraumer Zeit überlegt, in den nächsten Jahren eine USA-Reise zu planen
und zu unternehmen.

Mein Freund lud uns gerne ein und sagte er freue sich schon. Er erzählte mir
darauf noch von einen kleinen Begebenheit.
Als er vor einiger Zeit für eine längere Weile in einer größeren Stadt arbeitete, in
der auch in der Reservation lebende Ureinwohner von Amerika also Indianer
wohnten, hatte er von einem achtzig Jahre alten Indianer ein altes Andenken
bekommen. Mein Freund hatte für die Gemeinde, in der der Indianer quasi als
Seelsorger tätig war, ein großzügiges Opfer gespendet, also eine Art soziales
Sponsoring und das Andenken dann zum Dank erhalten.
Das Andenken bestand, wie ich bald erfuhr, aus einer sehr stabilen, dicken und
sicher relativ alten Baumrinde mit Holz dahinter. Auf dieser Baumrinde waren,
kunstvoll in indianischer Weise, Zeichen und Miniaturen sowohl eingeritzt, als
auch mit mehreren verschiedenen Farben aufgemalt.

Als ich meinem Freund dann von meinen Erlebnissen mit dem Puzzle und der
Entschlüsselung des Codes berichtete, und auch weil mein Freund meine frühere
Begeisterung für Indianer kannte, meinte er, ich könnte mir das Andenken ja mal
ansehen und schauen, ob es mir gefallen würde. Er würde es mir schenken, quasi
als Belohnung für den Fleiß und die Arbeit, die ich für unseren Wiederkontakt
aufgebracht hatte, so dass wir nach so vielen Jahren wieder voneinander hören
konnten. Das Andenken würde er mit der Post schicken, da wir ja noch nicht
genau wussten, wann wir uns persönlich wiedersehen würden.
Er würde sich nicht mehr für Indianer interessieren, für WINNETOU habe er doch
seit der Jugend keine „Zeit" mehr gehabt und im jetzigen „richtigen" Leben würden
doch ganz andere Dinge eine Rolle spielen, die Realität des Lebens ist doch eine
andere und käme eher ohne Rätsel aus.
Das war noch vornehm ausgedrückt. Kurz gesagt, mein Freund stand mitten auf
dem Boden der Realität. Er war eher der Geschäftsmann geworden und da war
für solchen Kinder- oder Jugendkram keine Zeit und Muße mehr vorhanden.

Ich bedankte mich schon einmal im Voraus und versprach meinem Freund ich
würde das Andenken würdevoll „behandeln". Es solle zum bleibenden Andenken
an unseren erneuten Kontakt werden.
Nach einer Woche traf ein Päckchen mit dem Andenken bei mir ein. Leider nahm
das Päckchen nebst Inhalt etwas Schaden durch den langen Transport. Das
Päckchen war wohl doch auf der langen Reise einige Male sehr hart aufgetroffen.
Und obwohl mein Freund die Baumrinde sehr gut verpackt hatte, hatten sich doch
Teile der Verpackung gelöst.
Als ich die Baumrinde aus der Verpackung holen wollte, stellte ich leider fest,
dass die Rinde mitsamt Holz in zwei Teile zerbrochen war.
Schade.
Aber sicher konnte man sie wieder zusammenfügen und kleben. Ich betrachtete
die Miniaturen, kleinen Zeichnungen und Zeichen auf der Rinde. Es waren
Piktogramme oder Piktographien, also eine Art „gemalte" Geschichte. Einige
Zeichen waren intuitiv erkennbar z.B. Häuptling, Berg, Auge oder Mund. Andere
Zeichen sahen eher wie Verzierungen aus, jedenfalls für mich. Alles war
jedenfalls sehr kunstvoll ausgeführt und ich bedankte mich nochmals bei meinem
Freund für das schöne Geschenk. Ich suchte einen Ehrenplatz im
Eingangsbereich unseres kleinen Hauses aus, gleich direkt neben der Haustür.
Diese war auch aus schönen Holz gearbeitet, genauso wie die sich gleich
anschließende Treppe nach oben. Hier an der Wand würde das Andenken sehr
gut hinpassen und nebenbei auch seinen eigentlichen Zweck erfüllen, nämlich ab
und zu zum Denken an etwas Besonderes erinnern.
Wobei es ja so ist, dass man viele Dinge an denen man tagtäglich vorbei geht,
kaum noch bewusst wahrnimmt, selbst wenn sie sich ändern.
Aber ich finde das ist nicht unbedingt bei allen Gegenständen oder Objekten so.
Es gibt manche die, wenn man sie anschaut, doch immer wieder zum
Nachdenken anregen und unsere Gedanken auf eine Reise in die Vergangenheit
und damit auch Zukunft mitnehmen.

Ich hatte schon eine Befestigung für die Wand organisiert, als ich eines Abends
dann das Zusammenkleben der beiden Stücke der Baumrinde anging. Die Rinde
war nicht in der Mitte, sondern ungefähr im letzten Drittel gebrochen. Ich hielt die
beiden Stücke aneinander. Sie passten noch perfekt zusammen. Schon wollte ich
geeignetes Klebmaterial auf die Stirnseite von einem der beiden Teile auftragen.
Es war das Größere der beiden Bruchstücke. Da betrachtete ich kurz die
Bruchkante. Hier konnte man schön das Muster des Holzes erkennen.

Plötzlich fiel mir eine Unregelmäßigkeit an der Kante auf.

Ein ganz schmaler Schlitz war zu fühlen, den ich mit dem Fingernagel sehr gut
aufspalten konnte. An sich nichts Besonderes.

Aber da!

In dem Schlitz sah es so aus als würde etwas darin stecken. Allein mit Fingern
oder Fingernägeln konnte ich den Schlitz aber nicht weiter aufdrücken.
Tatsächlich.
Hier waren offenbar doch zwei ganz dünne Holzschichten zusammengefügt
worden, aber nur an den Rändern, sodass im „Inneren" gleich einem
Briefumschlag ein Hohlraum entstand.
Ich holte schnell ein kleines schmales Messer und versuchte vorsichtig den
Schlitz aufzudrücken. Das Holz knackte ein wenig. Nachdem ich den Schlitz
etwas auseinander gedrückt hatte, holte ich mit einer kleinen Zange vorsichtig
den Gegenstand heraus, der sich im Inneren des Holzes befand.
Es war eine sehr dünne Metallplatte aus Messing oder ähnlichem Material.

Ich war erstaunt, was auf der Metallplatte „aufgemalt" war:

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